Freimaurerei in Dortmund

Da die Loge erst seit sechs Jahren besteht, kann sie noch nicht auf eine lange Geschichte zurückblicken oder nennenswerte freimaurerische Errungenschaften vorweisen. Dennoch kann man sagen, dass sie durch die internationale Verwendung der englischen Sprache eindeutig ein neues Kapitel in den Annalen der Großloge der Alten, Freien und Anerkannten Maurer in Deutschland (GL AF&AMvD) geschrieben und eine neue freimaurerische Perspektive in die Stadt Dortmund gebracht hat.

Am 2. November 2008, nachdem die Großloge bereits vorläufig zugestimmt hatte, versammelte sich eine kleine Gruppe von Freimaurern in Paderborn-Sennelager, um die Möglichkeit der Gründung einer englischsprachigen Loge zu prüfen. Da sie jedoch über ganz Nordrhein-Westfalen verteilt lebten, war eine der wichtigsten Entscheidungen, wo die Loge am besten angesiedelt werden sollte und wo geeignete Räumlichkeiten zu finden waren. Nach reiflicher Überlegung einigte man sich schließlich auf das zentrale Ruhrgebiet, wo die meisten Städte und größeren Ortschaften über eine gute Straßen-, Schienen- und Fluganbindung verfügen. Weitere Gespräche führten zu einem Angebot der Loge Zur alten Linde Nr. 361, ihre prächtigen Räumlichkeiten in der Landgrafenstraße zu nutzen, das eifrig angenommen wurde. Die Loge sollte den Namen „Loge Vergissmeinnicht“ erhalten, in Anlehnung an die Blume und ihre ursprüngliche Bedeutung für die in Deutschland während der Kriegsjahre bestatteten Freimaurer, die später offiziell als Freimaurersymbol übernommen wurde und Freimaurern auf der ganzen Welt bekannt wurde.

Die nächste bedeutende Entwicklung erfolgte am 31. Januar 2009 bei einem Treffen in Dortmund mit der Entscheidung, offiziell die Gründung eines eingetragenen Vereins zu beantragen, der in Deutschland als Eingetragener Verein (e.V.) bekannt ist und Voraussetzung für die endgültige Aufnahme durch GL AF&AMvD ist. Die Eintragung wurde schließlich von den Dortmunder Gerichten genehmigt, und der Weg für die Loge war frei.

Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde die Loge am 13. Juni 2009 von Bruder Axel Pohlmann, dem stellvertretenden Großmeister (GL AF&AMvD), im Beisein von rund 90 Besuchern offiziell eröffnet, von denen die meisten für die anschließenden Feierlichkeiten blieben. Bruder David Gale, ehemaliger Großmeister (1997-2000) der Großloge der Britischen Freimaurer in Deutschland und Träger der Auszeichnung für Freimaurerei sowie der Ehrenauszeichnung der Vereinigten Großlogen von Deutschland, wurde zum ersten Worshipful Master gewählt.

Dortmund pflegt eine lange Verbindung zur Freimaurerei, die bis ins Jahr 1855 zurückreicht. Doch schon lange vor diesem Datum lebten und arbeiteten viele Freimaurer in und um die Stadt, und ihrer Vision und Hingabe ist es zu verdanken, dass die Loge Zur alten Linde Nr. 368 als erste Loge in der Stadt verwirklicht wurde. Sie trafen sich zunächst in einer gemieteten heruntergekommenen Scheune an der Rückseite des im Bild gezeigten Gebäudes in der Reinoldustraße, und erst 1866 erwarb die Loge ihre eigenen, speziell errichteten Räumlichkeiten in der Viktoriastraße, die aufgrund der rasch steigenden Mitgliederzahl sowohl 1873 als auch 1879 erweitert werden mussten. Dennoch gab es vor dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) viele andere Logen und quasi-freimaurerische Organisationen, die in der Stadt und ihrer Umgebung tätig waren. Mit dem Ausbruch des Nationalsozialismus im Jahr 1933 und seiner darauffolgenden berüchtigten Terrorherrschaft kam jedoch im Juli 1935 das Ende der Freimaurerei in Deutschland mit der Beschlagnahmung freimaurerischer Effekten und der erzwungenen Schließung aller Logen.

Nach ihrer Wiedererrichtung nach dem Krieg im Jahr 1947 traf sich die Loge „Zur alten Linde“ im Michaelshaus (Gemeindehaus) in Aplerbeck, zog 1952 in das Haus des Arbeitgeberverbandes in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße und 1979 erneut in die ehemalige jüdische Kultusgemeinde in derselben Straße. 1996 wurde die bedeutsame Entscheidung getroffen, den bekannten Kriegsbunker in der Landgrafenstraße umzubauen, und am 10. November 2001, rund 146 Jahre nach ihren bescheidenen Anfängen in einer Scheune, wurde die Loge in ihren heutigen Räumlichkeiten offiziell eröffnet – ein wahrhaft großartiges Zeugnis für das Engagement und die Hingabe über viele Jahre hinweg.